Berichte aus der Boxengasse

Brno im August

Brno im August - Vielleicht werden wir doch noch Freunde

Mal wieder Brno…
Tja, wie beschreibt man Brno… Für viele Rennfahrer eine der schönsten Strecken in Europa. Ich bin nicht gerne da, es liegt nicht an der Strecke, sie ist bergig, flüssig und schnell, aber mich nervt und kotzt das Gehabe um Einlass und Fahrerlagerstellplätze sowas von an, daß ich eigentlich nicht mehr bereit war mein Geld dorthin zu bringen. Zudem ist die Anfahrt eine Qual, denn es hoppelt und staut dermaßen, daß es keinen Spaß macht. In den letzten Jahren wurde es auch mit Raubzügen im Fahrerlager schlimmer (letztes Jahr wurde das Restaurant an dem wir standen überfallen und Bekannte wurde im Wohnmobil ausgeraubt), dazu kommen so kleine Unregelmäßigkeiten, daß es z.B. in der Tankstelle keine Annahme von Kreditkarten gibt (komisch, das dies nur bei Ausländern so ist) und der Wechselkurs ist eher zufällig. Naja, aber die Strecke ist halt schon nett.. ;-) und wir fuhren also zu unserem 6. Cuptermin dieses Jahr.
Wider Erwarten haben wir den Stau um Prag komplett ausgelassen, hmmm wir waren positiv überrascht. Die Autobahn hinter Prag nach Brno war neu geteert worden, die Strecke auf der wir im Mai mit allen anderen 5 h im Stau gestanden hatten war fertig und tatsächlich gut befahr bar… O.k….  Zum Glück sind wir zu Hause spät losgefahren, denn der Streckenbetreiber hat mal wieder die Einlasszeit auf 21.00 Uhr verschoben..:!!!!! Naja, es kann ja auch nicht alles gut sein. Wir waren zum Glück eh spät dran und Maggie und Klausi haben uns einen Platz reserviert, so daß wir auch das Chaos um die Stellplatzvergabe im Fahrerlager umgangen haben (danke an die beiden ^^). Also dann hinstellen und alles ausladen. Eine Stunde später steht das Zelt, Moppeds auf den Ständern, Kinder sind bereit ins Bett gebracht zu werden… Es sind noch gediegene 26°C und die Vorhersage für die nächsten Tage steigend, bis auf 35°C…  So kam es dann auch. Kinder ins Bett, Vorbereitungen für morgen machen (Anmelden, Luft, Öl und Sprit kontrollieren), Reifenwärmer aufziehen, die anderen in den Boxen „Hallo“ sagen und dann auch schlafen gehen.
Der nächste Tag überrascht uns mit Sonnenschein, es sind 28°C um 07.30 Uhr… Nicht sooo schlecht. Wir schlappen zum Frühstück und füllen den Kindern eine unserer Transportboxen mit Wasser auf, damit wir wenigstens alle naß sind… O.k. es gibt da einen kleinen Unterschied, der ist aber nicht zu sehen, sondern nur zu riechen :-). Die ersten Turns laufen gut, im zweiten Turn fahren Dagny und ich direkt wieder an unsere Bestzeiten aus dem letzten Event im Mai heran, es beginnt vielversprechend. Zum Mittag hin wechsele ich Reifen und die Zeiten werden nochmals ein wenig besser. Nachmittags dann das Rennen. Naja, Rennen halt. Dagny macht sich fertig und fährt einen klasse Fight gegen ihr Kontrahenten (innen), sie ist motiviert bis in die Haarspitzen (und mit den inzwischen wieder langen Haaren weiß kann man erahnen wovon ich rede). Sie fährt auf einen super 6.Platz in der BT-Wertung… Yeah, wieder einen Pokal für unsere Vitrine. Naja, ich schlurfe so durchs Fahrerlager und beschäftige mich mit Hannah und Kira. Irgendetwas fehlt… Kommen zurück zum Zelt.. Wie? Anziehen? Ach ja… Hmmm… Jetzt fällt mir auf was fehlt.. DIE MOTIVATION… Ich habe mich heute im Qualifying ziemlich verausgabt, irgendwie… Hmmm. Es muß gehen. Als dann der erste Aufruf kommt nimmt die Motivation, bedingt durch die Aufregung zu und ich mache mich fertig. Kontrolliere nochmals die Gixxer und zum dritten Aufruf bin ich dann auch fertig und fahre in die Boxengasse, passiere mein Lieblingsschild (es zeigt gerade an Streckentemperatur 56°C) und rolle los.. Startaufstellung, Vorstart klappt super und Start… Klappt auch gut, komme ganz gut durch das Feld, allerdings merke ich mal wieder ab und an, daß der Unfall aus Oschersleben noch nicht ganz vergessen ist, ich stecke unnötigerweise immer wieder zurück, dies kostet mich viel Kraft und auch Positionen. Am Ende erreiche ich einen naja nicht überzeugenden 22. Rang…  Auf der einen Seite bin ich total enttäuscht weil ich es mal wieder nicht geschafft habe im Rennen so gute Zeiten wie im Qualifying zu fahren und mir der Biss fehlte, andererseits lief es nicht soooo schlecht. Naja..  Der Abend wird schön, Brigitte und Ulf haben uns zum gemeinsamen Kochen in Ihres Wohnmobils eingeladen. Ulf kredenzt uns ein hervorragendes Mahl und der Abend wird kurzweilig und wir fallen sehr satt ins Bett.
Der Samstag empfängt uns auch wieder mit sattem Sonnenschein und wir freuen uns auf die Trainingssessions. Abends ist noch Endurance, aber da fahren wir diesmal nicht mit. Also nutzen wir das Training.. Dagny knallt Hammerzeiten raus und ich teste verschiedene Vorder- und Hinterreifen(kombinationen). Ich werde mit jeder Session schneller und unterbiete meine Zeiten um satte 2 Sekunden, daß ist Balsam für die von gestern ein wenig gebeutelte Seele. Im Mittag stoppen wir das Treiben und fahren mit den Kindern an einen See in Brno. Liegt ca. 15 km vom der Rennstrecke weg und ist echt schön angelegt. Wir machen uns einen tollen Nachmittag mit den Kindern am Wasser. Am Abend fahren wir zurück, pünktlich zum Ende der Langstrecke. Kurzes Grillen mit Maggie und Klausi und früüüüh zu Bett… Der Sonntag soll kommen… ICH BIN MOTIVIERT…
Die Hängertür geht auf, die weltbeste Ehefrau kommt um mich zu wecken, ich bin aber schon wach. Neben mir schnurchelt noch Kira. Wir machen alles fertig und gehen mit den Kindern zum Frühstück. Dagny meint, daß ich mich anstrengen soll… Dieses Herumgelungere im hinteren Feld sei nichts für mich…. Jaaaa, meine Motivation ist jetzt schon da. Kurzes Warm-Up, dann kommen direkt die Rennen, nebenbei beginnen wir den Einpackvorgang. Von gestern habe ich noch eine gute Reifenkombination da und mache dann Dagnys Mopped fertig. Ihr Rennen beginnt, sie ist aufgeregt wie am ersten Tag. Hannah, Kira und ich schauen ihr von der Tribüne aus zu. Sie fährt ein sehr gutes Rennen, nur in den letzten 3 Runden sieht es so aus, als ob sie den Anschluß zur Gruppe vor Ihr verliert… Hmmm da stimmt was nicht. Als sie wieder da ist, erklärt sie, daß die CBR Standgas 6000 hat ^^ Uih… Hmm, ihr war es wohl zu warm und einer der Sensoren spackte rum… Wieder ein guter 6. Platz. Dann kommt der erste Aufruf zum 1000er Rennen… Ich bin ein wenig geladen, Adrenalin, Motivation, Taurin, Koffein und Spritgeruch erledigen den Rest… Noch vor dem zweiten Aufruf bin ich angezogen und warte auf den Start. Heute soll es werden…. Endlich der zweite Aufruf und der dritte… Los! Wir rollen in die Warm-Up Lap, mein Hinterreifen ist noch nicht richtig wach und ich begrüße das heutige Rennen mit einem fetten schwarzen Strich in der ersten Rechts, danach geht es dann… Mein Teufelchen auf der Schulter jubelt vor Freude… Vorstart… Geht gut. Start. Man stelle sich vor.. 35°C Außentemperatur, 44 Mopped auf einer 61°C heißen Straße, stehen alle an der roten Ampel bei gefühlten 6000 Umin… Jeder der keine Gänsehaut bekommt fährt kein Mopped ;-). Die Ampel geht aus! Ich habe das Gefühl die vor mir liegenden 3 Reihen bleiben stehen, HAMMERSTART. Ich sehe Ali vor mir, an den hänge ich mich ran… Nach der ersten Runde habe ich ca. 10 Plätze gut gemacht und feuere hinter Ali her. Nach3 Runden kommen die ersten schnellen Fahrer aus den überholten Reihen. Ali und ich geben 4 Plätze wieder ab. Wir laufen auf eine RSV au, Ali erwischt die perfekte Linie und fährt vorbei, leider macht er mir die Tür zu. Und jetzt merkt man wieder die alte Weisheit.. Schneller sein und vorbei fahren sind zwei verschiedene Dinge. Naja, ich hänge hinter der RSV und brauch 3 Runden um Mut und Verzweiflung genug zu haben…  Danach geht es dann super, ich kann Ali und die Gruppe noch sehen und versuche aufzuschließen. Eingang Start-Ziel schaue ich auf meinen Laptimer und sehe mit riesen Augen, daß ich 2 Sekunden schneller fahre als vorher…. Geilomat. Ist auch dezent anstrengend, mein Mund ist so trocken wie die Sahara, denn ich habe vor lauter Anstrengung vergessen durch die Nase zu atmen. Egal… Muß gehen. Noch eine super Runde und noch eine… Die Gruppe vor mir kommt näher, aber auch die Zielflagge… Glücklich und ein wenig stolz mache ich mich auf die Ausrollrunde. Ich merke wie der Schweiß den Rücken runter läuft und ich komme in der Boxengasse an… Fahre zum Zelt und bin froh das Dagny mir das Mopped abnimmt…  Bin ich platt… Aber glücklich. Dagny fand es auch gut… Gut gestartet und gut gefightet meint sie… Jetzt aber einladen ;-). Wir packen ein und stellen das fertige Gespann, zur Abfahrt bereit auf den Parkplatz. Kurz Verabschiedungsrunde, dann noch Siegerehrung und los. Wenn ich keine Ohren gehabt hätte würde ich im Kreis grinsen, denke ich.
Nach knapp 11 Stunden sind wir wieder zu Hause, nicht so schlecht für 980 km inkl. Essen und Pause. Auch diesmal hat uns Prag wieder überrascht und wir hatten keinen Stau. Zu Hause angekommen sind es dann nur 18°C, im Schlafzimmer sind es noch 24°C… ich habe dann mal die Heizung angemacht, damit wir Hörnchen nicht frieren ;-)
Fazit: Ich habe zwar keinen Pokal gewonnen, bin aber stolz wie Sau… Brno und ich werden evtl. doch noch Freunde