Rennberichte

Das letzte Rennen 2015

Most, Tschechien, später Vormittag im September, strahlendes Wetter, kaum Wind.
Doch wieder ziemlich nervös beziehe ich meinen Startplatz 19, bei 23 Startern. Immerhin nicht Letzter. Geht's los? Nein, doch nicht, weiter vorne wird noch hin und her rangiert. Sind also andere noch nervöser als ich. Die Helfer verlassen die Startaufstellung.
Vorstart, ich passe nicht gut auf, alles flitzt an mir vorbei. Keine Möglichkeit, meine Strategie zu probieren, die ich mir für den Start zurecht gelegt hatte. Ist auch besser so, dann kann ich die Sportskameraden vielleicht überraschen. Ich fahre dem Feld hinterher und versuche, meinen Puls unter Kontrolle zu kriegen....

Nach drei Tagen ist mir der Kurs fast ans Herz gewachsen und ich probiere nochmal, die optimale Linie zu treffen.
Satrtaufstellung, jeder weiß jetzt, wo er hingehört. Rote Flagge weg. Rote Ampel. Ich zucke kurz an der Kupplung, Mist, zu früh, kurz gestoppt und dann endllich Ampel aus - Loooos! Meine alte Yami gibt, was sie kann, immerhin kann ich bei ihr das Vorderrad am Boden halten. Ich sehe, dass ich wirklich fantastisch gestartet bin. Zweiten Gang reinknallen. Während alle gleich versuchen, nach Links auf die Ideallinie zu kommen, bleibe ich rechts, auf dem weißen Strich. Noch rechts neben mir taucht ein anderes Motorrad auf, mein Motor beginnt zu stottern - Schalten vergessen und in den Drehzahlbegrenzer reingeballert. Egal, die erste sehr enge Rechts nach Start ist da und ich wühle mich gnadenlos ins Getümmel. Meine Rechnug ist aufgegangen. Links war der Pulk und staut sich vor der Kurve, ich bin schon drin und ziehe zur Mitte für die folgende Linkskurve. Danach geht es erstmal geradeaus, leicht links unter Vollast die Gänge durchgeschaltet bis in den fünften. Auf diesen 400m habe ich natürlich gegen die deutlich leistungsstärkeren modernen Motorräder keine Chance, aber sie müssen erstmal an mir vorbei. Im Kurvengeschlängel dahinter gibts keine Möglichkeit, erst nach der Spitzkehre am äußersten Ende des Kurses ist wieder Motorleisutng gefragt. Auf die besten 750er fehlen mir rund 30PS, das ist eine Welt. Aber ich habe den Kurs inzwischen gut kennengelernt und kann die Kurven fahren.
Godber wie Mark MarquezDas Feld sortiert sich. Natürlich falle ich etwas zurück und die ganz Schnellen verschwinden aus meinem Blick. Aber es gibt auch Konkurrenten, an die ich mich heranarbeiten kann. Jetzt heißt es ruhig, sauber und präzise fahren, dann kann man vielleicht doch noch den einen oder anderen angreifen.
Das Rennen ist nicht lang, 9 Runden nur. Also muss man alles geben und möglichst wenig Fehler machen. Vor mir eine F800, Dreizylinder von MV. Tolles Motorrad, und der Bursche ist auch eigentlich schneller als ich, jedenfalls war seine Trainingszeit deutllich besser. Aber irgendwie ist bei ihm die Luft raus. Vielleicht hat er ein Reifenproblem? In jeder Kurve komme ich näher heran, auf der Geraden kann er mich kaum wieder distanzieren. Vor dem Matador-Bogen bin ich an seinem Hnterrad und danach kommt meine Lieblingskurvenkombination - schnell rechts und eine lange Links. Mit Fahrtüberschuss greife ich von außen an, liege in optimaler Position fast auf dem Ellbogen und zirkele sauber um ihn herum. Auf der Außenbahn abgeledert! Dieses Manöver habe ich im Training schon ein paar Mal durchgezogen, aber im Rennen? Echt geil! In der folgenden Rechtskurve alles geben, um diese Position zu halten und nicht gekontert zu werden. Weite lange Bögen liegen mir!
Wie lange ist noch? Auf der Zielgeraden sehe ich das Schild "2 Runden". Meine Vorderradbremse funktioniert gut, braucht aber sehr viel Handkraft. Wenn man immer auf der gefühlt letzen Rille bremst, ist das sehr anstrengend und es stellen sich Krämpfe ein. Das wird echt hart, die Bremserei, aber ich darf dadurch nicht langsamer fahren. Also Zähne zusammenbeißen und durchhalten. Letzte Runde! Zielgerade - hoch in den sechsten Gang. Nochmal ganz klein machen, ganz links bleiben, denn bisschen weiter rechts haut Dir eine Bodenwelle den Tank in den Bauch. Hart bremsen - aua, aua - drei Gänge runterschalten, noch mehr bremsen, umlegen in die Schikane nach rechts, noch einen Gang runter, nach links umlegen und Gas auf, was geht! Dritten, vierten Gang ausdrehen, geradeaus über die Curbs, hart bremsen, links die Kurve hinterfahren, nach rechts einen engen Bogen, an die Curbs, aufrichten und gerade über die nächsten Curbs in die Spitzkehre. Hart bremsen, scharf abwinkeln, ums Eck und Gas! Immer noch unter Hochspannung flach auf den Tank. Auf der Ypse geht das auch. Auf der BMW habe ich das nie hingekriegt. Ich kann sogar in den Kurven sehr eng und flach am Tank bleiben und so gebe ich noch einmal alles, was ich kann. Jetzt nur nicht noch überholt oder überrundet werden. Achso, überrunden geht ja nicht mehr. Gut, aber trotzdem weiter Druck machen. Ein letztes Mal die Kurven hinter dem Matadorbogen genießen, dann noch zweimal rechts und dann rast die Ziellinie auf mich zu.
Als die Zielflagge für mich geschwenkt wird, macht sich Euphorie in meinem Körper breit. Die Ausrollrunde sind die letzten Rennstreckenkilometer dieser Saison und dennoch bin ich in glücklich und zufrieden. Adrenalin ist ein geiler Stoff!